Friedrichshain – Ein Kiez zwischen Kontiuität, Entwicklung und Veränderung I

„Der Friedrichshain – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2014. Dies sind die Abenteuer eines Stadtdenkers, der unterwegs ist, um fremde und bekannte Galaxien/Orte zu erforschen, neues/anderes Leben und Zivilisationen zu entdecken. Viele Lichtjahre von der Gegenwart entfernt und dennoch „mittendrin“ dringt er in Galaxien vor, die so manch ein Mensch nie zuvor gesehen/verstanden hat… verstehen wollte.“

Blick von der Warschauer Brücke
Blick von der Warschauer Brücke

Der Kiez – eine Größe zwischen Kontinuität und Entwicklung/Veränderung, zwischen Geborgenheit und Entfremdung, ein Ort der behaglich-verlässlichen Nähe und/oder Ort der dynamischen nicht selten konfliktbeladenen Dissonanz.
Mit wenigen durchaus polarisierenden Schlagwortpaaren lässt sich die Nachwendeentwicklung des Friedrichshains zusammenfassen: Arbeiterviertel vs. Szeneviertel; Mietstandort vs. Eigentumsstandort; baulicher Verfall vs. Sanierung/Modernisierung & Neubau; Leerstand vs. Wohnraumknappheit & Immobilienpreissteigerung; multidimensionaler gesellschaftlicher Möglichkeitsraum vs. monofunktionaler ökonomischer Verwertungsraum; lebenswerte Ostberliner „Schmuddelecke“ vs. anonymer, multikultureller, internationaler (Touristen)Magnet… Ort der Kontinuität vs. Ort der dynamischen, experimentellen, teils unverlässlichen Veränderung; Ort der Aneignung vs. Ort der Verdrängung.
… Mit Sicherheit könnte man diese Listung noch um weitere Schlagwortpaare erweitern, diese erklären und vertiefen sowie verständlicher gestalten. An dieser Stelle (dem Beginn einer fortzusetzenden Reihe) geht es mir jedoch primär um den Versuch diese – in meinen Augen – liebenswerte Gegensätzlichkeit in ihrer Vielfalt in Bildern zu dokumentieren und nicht über Sinn und Unsinn bestimmter Entwicklungen oder über mögliche Einflussnahmeoptionen zu philosophieren und/oder grundsätzliche (Be-)Wertungen zu treffen.

Sozialistischer „Arbeiterwohnungsbau“ entlang der Frankfurter Allee/Karl-Marx-Allee (1949-61 Stalinallee)… Ausdruck eines „anderen“ Verständnisses von Gesellschaft, Leben, Wohnen, Arbeiten, Konsum.

"sozialistischer" Stadtraum Strausberger Platz/Stalinallee
„sozialistischer“ Stadtraum Strausberger Platz/Stalinallee

Bis Mitte der 2000’er nicht außergewöhnlich… inzwischen (im Südkiez) eher die Ausnahme… Ladenleerstand. Kämpften städtische und städtisch beauftragte Akteure einst um potenzielle Nutzer und versuchten Unterstützung zur Realisierung auch von „ausgefallen-kreativen“ Nutzungskonzepten zu bieten, bleibt dieses Handlungsfeld inzwischen wieder den Kräften des freien Marktes überlassen.

Platzhirsch
Platzhirsch

Verbliebene Leerstands- und Möglichkeitsräume werden zu Plätzen der fragmenthaften Erinnerung an ehemalige Nutzungen sowie der Artikulation von Meinungen… zum Kunstraum… zum Protestraum… zu „kreativen Inseln“… zu Werbeflächen… zu „Schandflecken“ zu Plätzen der bewussten aber zumeist streitbaren Raumaneignung.

Platzhirsch - Volksbank
Platzhirsch – Volksbank

Nicht selten schweifen die Gedanken sehnsüchtig in die Vergangenheit und Vergleichen die Gegenwart mit Eindrücken, Emotionen und Erinnerungen.
Im Beigeschmack begleitet vom Eindruck der Veränderung, einem latenten Gefühl, daß dieser Ort nur noch in Fragmenten mit dem Ort zu vergleichen ist, den man einst kennenlernte, genossen und gelebt hat.
Ein Beigeschmack, der häufig auch das Gefühl hinterlässt, dass nicht jede Form von Veränderung/Entwicklung positiv ist, sondern mit ihr auch Verluste einhergehen können und diese insofern durchaus auch kritisch reflektiert werden sollten.

Gentrifizierung, Problemtourist  und meine Stadt
Gentrifizierung, Problemtourist und meine Stadt
Gezählte Tage?
Gezählte Tage?

Im Beigeschmack auch das Gefühl und die Gewissheit, dass der Faktor Mensch eine nicht unwesentliche Größe bei der Gestaltung und Aneignung des Lebensraumes „Kiez“ einnimmt.
Er ist es, der „Kiez“ prägt und nach seinen Bedürfnissen mit Leben zu füllt.
Er ist es, der wichtige Akzente setzt, die zur Generierung eines „lokalen Lebensgefühls“ und eines „Standortimages“ beitragen sowie die Lebensqualitäten prägen.

kreativ und unkonventionell?
kreativ und unkonventionell?

Der Faktor Mensch bleibt auch in einem Raum der dynamischen Veränderung eine bestimmende Determinante. Es ist schön zu sehen, dass sich Menschen den gegebenen Herausforderungen in vielfältigster diskursiver und kreativer Weise stellen und dabei nicht per se alles (passiv) schwarzmalen sondern sich unter anderem auch durch die Ausdrucksform Straßenkunst/Grafiti aktiv in das Stadtteilleben und -gestaltung einbringen.

Meinungen im Stadtraum
Meinungen im Stadtraum

Some words in English:
This article should become the start of a small series of articles aiming at discussing/presenting Berlin-Friedrichshain. It also aims at underlining challenges for its urban development and highlight recent and prospective changes.
This first article mainly focuses on citizen participation within the urban environment. How citizens take possession of „their urban space“. How they transform this space and express opinions through street art. Street art, which becomes a symbol and expression of engagement and creativity, a symbol of encouragement as well as a symbol of protest.


Tänz auf der Rasierklinge
Tanz auf der Rasierklinge
Christoph Albrecht Verfasst von:

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