Crete – Erlebnis, Klischee oder Kitsch

Kretas Südküste
Kretas Südküste

Hallo zusammen,
mit ein paar Impressionen aus Kreta melde ich mich an dieser Stelle zurück. Die Aufnahmen entstanden im September 2015 und stammen zu überwiegenden Teilen von der südlichen und westlichen Region der Insel.

Abseits der touristischen Ressorts und in der Nebensaison begrüßen einen die ländlich-peripheren Ecken der Insel mit waghalsigen Pisten, Schattenarmut und Trockenheit, skurilen Begegnungen und beeindruckenden Landschaften.

Behütet von der Klimaanlage des angemieteten Fahrzeuges wird Bewegung zur Entspannung. Vielschichtige Eindrücke rücken den Alltag in die Ferne. Der Weg ist gesäumt von Ödnis, unterbrochen von Überbleibseln verschiedener Zivilisationen und Kulturen. Zwischen Hippienestern und landwirtschaftlichen Kommunen verschwimmen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Suche nach innovativen und zukunftsfähigen Siedlungsmodellen sowie die Frage der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit einer eindeutig pfadabhängigen peripheren Region gewinnen eine neue Dimension.

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Zwischen Windrädern, Solaranlagen, Gewächshäusern und Olivenplantagen sorgen Thymian- und Oreganofelder in mehr oder weniger grünem Zustand für eine zerstreuend erdende Geruchsnote, die Brüchen und Gegensätzen einen Rahmen gibt und selbst das Industriehafenpanorama am Badestrand mit vorgelagerten Ölbunkern auf einer felsigen Insel vergessen lässt. Befindet sich der Betrachter tatsächlich noch in den EU-zivilisierten Breiten dieses Jahrhunderts? Das Gefühl für Zeit und alltägliche Zwänge verschwimmt.

Bei 36 Grad im Schatten die Überreste verschiedener Kulturen zu begutachten ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Erst in den Abendstunden versprühen Siedlungen und Städtchen den Charme gesellschaftlichen Lebens. Tische und Stühle werden auf die Straßen gerückt,jung und alt, Touristen und Einheimische nutzen die kühleren Temperaturen zum Austausch und zum Genuß.

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Zwischen Mythen und Sagen aus Hippievergangenheiten und belehrenden Erzählungen über öklogisch sinnvolle Lebens- und Ernährungsweisen flackern Diskussionen über die wirtschaftliche Lage Griechenlands als auch die aktuellen Flüchtlingsbewegungen auf. Mit Sonnenaufgang weicht die gewonne Erkenntnis für den Pfad zu einer besseren Zukunft der Suche nach der Klimaanlage.

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Wieder wird der Reisende von Staub, Sand und Sonne gefangen. Man begibt sich weiter abseits der vermeindlich touristisch geprägten Pfade auf der Suche nach dem Unbekannten. Unwirtlich wirkt das Höhenprofil. Zivilisation und Landschaft verschwimmen. Aufgereiht wie auf einer Perlenkette tausender bereits hier gewesener Individuen, trottet man wie ein Schaf in Richtung Weide.

Am Ende des Weges finden sich Touristen und Häufungen von Touristenfallen, die (wie hier in Matala) vermeintliche kulturelle Höchstleistungen zelebrieren, und seniorenausflugtauglich Kommerzialisieren. Zwischen Rheumadecke und John Lennon CD liegen oft nur wenige Zentimeter.

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Die Küstenlinie suggeriert organisierte Einsamkeit und Entspannung. Schwer erreichbare Strände werden nach und nach durch Bootszubringer bevölkert und von einer Minute zur Nächsten füllen und leeren sich die beeindruckenden Küstenpanoramen im Takt der Bus- und Fährzubringer.

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Am Ende des Tages strandet der Suchende in einer der zwei Jugendherbergen der Insel oder aber (wie hier) in einem luxuriösem Hotel mit Privatstrand und hervorragender Aussicht auf die lokale Seifenfabrik (in der Nähe von Kissamos).

Mit der Abendstimmung kehrt das Leben zurück in die Städte und Siedlungen. Touristen und Einheimische verlassen den vermeindlichen Schutz der Klimaanlagen.

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Ich hoffe euch gefallen die Bilder und Zeilen.
Über ein Feedback würde ich mich – wie immer – freuen.

Kurz in eigener Sache: „Mex Du fehlst!!!“


Few words in English:
Crete in September 2016

One week off, a car, two friends and NO PLAN.
The pics presented are the outcome of a week of travelling across Crete.
Hope you like the results!


Christoph Albrecht Verfasst von:

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